Ohne Bewässerung wäre die Gründung der „k.k. Kolonie Theresiafeld“ im Jahr 1763 nicht möglich gewesen.
Nachtkanalabzweigung
Ein ausgeklügeltes Kanalsystem ermöglichte die Besiedelung dieses damaligen Ödlandes, das als „Neustädter Hayde“ bezeichnet wurde.
Kaiserin Maria Theresia beauftragte mehrere Fachleute mit der Ausarbeitung von Plänen zur Kultivierung des Gebietes. Ausgewählt wurde schließlich der Vorschlag des Neustädter Landphysikus und Doktors der Medizin Andreas Fourlani von Felsenburg.
Sein Plan sah vor, einen Kanal von der Piesting – dem sogenannten „Kalten Gang“ – zur neuen Siedlung zu graben.
Im Sommer 1763 wurde die Gegend vermessen und nivelliert. Die flussabwärts gelegenen Mühlen und Hammerschmieden, die Nachteile durch die Wasserentnahme befürchteten, wurden entschädigt beziehungsweise durch geregelte Bewässerungszeiten zufriedengestellt.
Von Wöllersdorf bis zur höchsten Stelle des geplanten Ortes gruben kaiserliche Pioniere ein Gerinne, um das lebensnotwendige Wasser für Bewässerung, Waschen, Kochen und Viehtränken heranzuführen.
Der 5,3 Kilometer lange schnurgerade Kanal erhielt später den Namen „Tirolerbach“, benannt nach den angesiedelten Tiroler Familien.
Bis heute wird das Wasser in der Ortsmitte parallel zur Straße nach Norden und Süden weitergeleitet. Dadurch wurde der Ort in Viertel geteilt, entlang derer später die Bauernhöfe entstanden.
Das gesamte Kanalnetz umfasst heute rund 30 Kilometer.
Da ursprünglich zu viel Wasser versickerte, wurden die Gräben 1781 mit Brettern und Pfosten ausgekleidet, zwischen 1881 und 1883 mit Quadersteinen befestigt und schließlich in den Jahren 1950 bis 1952 mit Mitteln des ERP-Fonds betoniert.
1832 wurde das System um die sogenannten Nachtkanäle erweitert. An dieser „Abteilung“ wird das Wasser zwischen 19 Uhr und 5 Uhr zusätzlich in die westlichen Viertel geleitet.
Das Wassermesshäuschen aus dem Jahr 1930 ist heute funktionslos.
„Theresienfelderisch“:
Ende Oktober wird das Wasser „odraht“,
am ersten Aprilsonntag „kummts Wossa wieder“,
davor wird von der Wassergenossenschaft und freiwilligen Helfern der „Bach gräumt“.
Das gemeinsame Räumen des Tirolerbaches war früher nicht nur Arbeit, sondern auch ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis.