Station 21 - Gasthaus Petri

Der Name Petri spielt in der Geschichte Theresienfelds eine bedeutende Rolle. Besonders zwei Persönlichkeiten prägten den Ort nachhaltig.

Gasthaus Petri vor dem Zweiten Weltkrieg
Gasthaus Petri vor dem Zweiten Weltkrieg

Bernhard Petri wurde am 2. April 1767 in Zweibrücken geboren. Als Sohn des Hofgärtners des Herzogs von Pfalz-Zweibrücken erhielt er eine umfangreiche Ausbildung in Landwirtschaft, Tierzucht und Landschaftsarchitektur.

Nach der Zerstörung des Schlosses Karlsberg im Zuge der Französischen Revolution floh er nach Österreich und trat in die Dienste von Fürst Johann I. Josef von Liechtenstein.

Dort gestaltete er bedeutende Parkanlagen im englischen Stil, darunter auch die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Kulturlandschaft von Lednice in Südmähren.

Ab 1803 kaufte Bernhard Petri zahlreiche Besitzungen im Nordteil Theresienfelds und machte den Ort zu seinem Hauptwohnsitz. Sein Grundbesitz umfasste rund 580 Hektar.

Besondere Bedeutung erlangte er durch die Einführung der Merino-Schafzucht in Österreich. Unter großen Schwierigkeiten gelang es ihm, wertvolle Schafe aus Spanien nach Theresienfeld zu bringen.

Auf den weitläufigen Weiden wurden bis zu 2.000 Tiere gehalten. Die von hier aus verbreitete Zucht begründete den internationalen Erfolg der österreichischen Merinoschafe.

Während des Wiener Kongresses 1814/15 besuchte sogar der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Schafzucht in Theresienfeld und verlieh Bernhard Petri eine goldene Verdienstmedaille.

Eine Gedenktafel neben dem ehemaligen Gasthaus erinnert außerdem an das Wiedersehen von Marie Louise von Österreich mit ihrem Sohn Napoleon Franz am 1. Juli 1818.

Bernhard Petri experimentierte mit neuen Futterpflanzen, initiierte den Bau des Nachtwasserkanals sowie die Anlage von Windschutzhecken und gründete die erste „Leih- und Sparkasse“ Österreichs – einen Vorläufer der heutigen Raiffeisenbanken.

Sein Sohn Carl-August Petri führte den landwirtschaftlichen Betrieb erfolgreich weiter und war ab 1850 erster Bürgermeister der freien Gemeinde Theresienfeld.

In seine Amtszeit fiel unter anderem der Bau der neuen zweiklassigen Volksschule. Außerdem verfasste er 1868 die erste Ortschronik zur 100-Jahr-Feier der Ortsgründung.

Eine weitere Marmortafel erinnert an Franz Freiherr von Uchatius, einen der bedeutendsten österreichischen Erfinder und Artilleriekonstrukteure des 19. Jahrhunderts.

Er entwickelte unter anderem frühe Ballonbomben, fotografische Verfahren sowie den sogenannten „Nebelbildapparat“ – eine frühe Form des Projektors beziehungsweise Kinos.

Besondere Bekanntheit erlangte außerdem der nach ihm benannte „Uchatius-Stahl“ sowie seine Entwicklungen im Bereich der Stahl- und Hartbronzeproduktion.

1904 eröffnete Fritz Petri schließlich die „Restauration Petri“, einen beliebten Gasthof mit großem Gastgarten und eigenem Schießstand.

Der traditionsreiche Betrieb wurde im Jahr 2000 endgültig geschlossen.


1929 - Gastgarten
Vor dem Zweiten Weltkrieg
Wiedereröffnung 1949
Merino-Schaf