Diese Pfeiler mit Kugelaufsätzen stammen aus dem Jahr 1763. Sie wurden an beiden Ortseingängen der „k.u.k. Ackerbaukolonie Theresiafeld“ errichtet.
Ortspfeiler Nord 2019
Diese Kolonie wurde durch Kaiserin Maria Theresia gegründet. Die entsprechende Hofresolution datiert vom 15. Jänner 1763.
Am 26. Februar 1763 wurde ein diesbezügliches kurzes Handschreiben der Kaiserin im „Wienerischen Diarium“, der heutigen „Wiener Zeitung“, veröffentlicht. Somit kann auch dieser Tag als Gründungsdatum unserer Gemeinde angesehen werden.
Theresienfeld ist das einzige fast quadratische und genau geplante Kolonistendorf in Österreich.
Das Gebiet zwischen Wiener Neustadt und Sollenau, das damals „Neustädter Hayde“ genannt wurde, war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit unbesiedeltes Ödland – eine karge Steppe auf dem unfruchtbaren Schotterkegel der Piesting.
Wegen des Wassermangels konnte das Gebiet bestenfalls extensiv als Hutweide genutzt werden. Durch diese „Wüste“ führte allerdings die wichtigste Verkehrsachse der Monarchie: die Reichsstraße von Wien nach Triest.
Auf dieser Straße erreichte man aus Wien kommend auch die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt, die 1752 von Maria Theresia gegründet worden war.
Man erzählt sich außerdem, dass in diesem Teil des Steinfeldes häufig Raubüberfälle durch Wegelagerer auf durchfahrende Kutschen erfolgt seien.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass im 18. Jahrhundert vor allem wirtschaftspolitische Gründe zur Gründung der Kolonie führten: die Förderung der Landwirtschaft, die Urbarmachung brachliegender Flächen und die Erhöhung der Bevölkerungszahl im Gebiet der Habsburgermonarchie.
Ortseinfahrt um 1945
Ausgewählt wurde schließlich der Plan des Neustädter Landphysikus und Doktors der Medizin Andreas Fourlani von Felsenburg.
Dieser sah vor, einen Kanal von der Piesting zu graben, um die neue Siedlung bewässern zu können. Die Kolonie sollte streng symmetrisch links und rechts der Reichsstraße entstehen – fast genau in Form eines Quadrates mit einer Fläche von 2.000 Joch, also rund 11,5 km2.
Von der Piesting bei Wöllersdorf bis zur höchsten Stelle des geplanten Ortes wurde durch eine Kompanie kaiserlicher Pioniere ein Gerinne gegraben. Später wurde dieser 5,3 km lange Kanal nach den später angesiedelten Einwohnern „Tirolerbach“ genannt.
In der Ortsmitte verteilt sich das Wasser in die Viertelkanäle parallel zur Siedlungsachse, der Reichsstraße. Im Jahr 1832 wurde dieses System im Westen durch die sogenannten Nachtkanäle erweitert. Heute umfasst das Kanalnetz rund 30 km.
Schon im Sommer 1763 wurden die ersten fünf Bauernhäuser – die sogenannten „Urhäuser“ – im Bereich des heutigen Hauptplatzes errichtet.
Wenige Jahre später kamen 64 weitere Häuser in Abständen von rund 100 Metern entlang der Straße dazu. In den Vorgärten wurden jeweils zwei Linden gepflanzt, zwischen den Bauernhäusern Obstbäume.
Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden einheitlich errichtet: ebenerdig, rechteckig und mit Schindeldächern gedeckt. Hinter den Gebäuden lagen gleich große, lang gestreckte und rechteckige Felder.
Die gesamte Ortsstruktur wurde genau dem Bewässerungssystem angepasst.
Obwohl die Siedler finanziell begünstigt wurden, konnten zunächst kaum Bauern gefunden werden, die sich in diesem unfruchtbaren Gebiet ansiedeln wollten. Daher warb man gezielt in Tirol.
Es kamen rund 30 Familien, die meisten aus der Gegend von Imst, Nassereith und Landeck. Viele waren durch Missernten in Not geraten, waren weichende Erben oder arbeitslose Bergleute.
Einige Familiennamen Tiroler Herkunft gibt es heute noch im Ort, etwa Krachbüchler, Nitzlader oder Taubländer.
Alle Siedler erhielten Geld für die Ersteinrichtung. Die Raten, mit denen sie den Besitz ins Eigentum hätten übernehmen sollen, wurden ihnen später sogar erlassen.
Bis 1797 stand die „k.k. Kolonie Theresienfeld“ unter direkter Verwaltung des Kaiserhauses.
1797 kam es jedoch zum Verkauf der Grundherrschaft an verschiedene Besitzer, die die Bewohner teilweise finanziell stark ausnützten.
1850 wurde Theresienfeld eine freie Gemeinde.
1963 erfolgte anlässlich der 200-Jahr-Gründungsfeier die Erhebung zur Marktgemeinde.
Am 1. Jänner 2021 zählte Theresienfeld inklusive der Zweitwohnsitze über 4.300 Einwohner.