Stiftungsurkunde 25.08.1768
1763 beschloss Kaiserin Maria Theresia, unseren Ort als Kolonistendorf zu gründen.
Nachdem das Wasserproblem durch einen Kanal aus der Piesting gelöst, die geplanten Gebäude fertiggestellt und die neuen Siedler – zum Großteil Tiroler – eingezogen waren, war es 1767 für die tiefgläubige Ortsgründerin an der Zeit, hier eine Kirche bauen zu lassen. Bis dahin fanden Gottesdienste in einer hölzernen Kapelle hinter der alten Schule statt.
Die Anfänge
Die Grundsteinlegung war ursprünglich für den 29. September 1767 geplant, musste jedoch verschoben werden, da eine Tochter der Kaiserin erkrankt war. Sie erfolgte daher am 4. Oktober unter Anwesenheit der beiden Prinzessinnen Maria Anna und Maria Elisabeth. Die Medaillen, die zum Grundstein gelegt wurden, trugen folgenden Text:
„Maria Theresia, die fromme und glückliche Kaiserin, hat dieses Theresienfeld zur Beförderung des Ackerbaues und Aufnahme der Bevölkerung unter die aus Tirol berufenen Bauern verteilt; die dem heiligen Kreuz geweihte Pfarrkirche mit kaiserlicher Freigebigkeit aufgebaut, gestiftet und dazu den ersten Grundstein gelegt, den 29. September 1767.“
Der Wiener Baumeister Josef Ignaz Gerl (1734–1798) begann im September mit dem Bau der Kirche. Sie sollte in einem Jahr fertiggestellt werden. Ein schweres Erdbeben im Februar 1768 verzögerte jedoch die Arbeiten und zwang den Baumeister, die Bauhöhe von Kirche und Turm um ca. 2 Meter zu reduzieren. Im Herbst war das Werk tatsächlich vollendet, allerdings zunächst nur mit einer Holzdecke, also ohne Gewölbe.
Kirche 1836
Am 22. Oktober 1768 wurde die Kirche vom Bischof der Diözese Wiener Neustadt, Ferdinand Michael Cyriakus Graf von Hallweil (1706–1773), eingeweiht. Die Kaiserin war mit ihren Töchtern Maria Anna und Maria Amalie bei der ca. zweistündigen Feier anwesend, fuhr danach in die Militärakademie und dann retour nach Schönbrunn. Bei der Rückreise standen die Theresienfelder im Spalier. Angeblich banden sie Äpfel auf die Bäume, um der Kaiserin die Fruchtbarkeit des Ortes vorzutäuschen. Dies soll Maria Theresia verständnisvoll lächelnd bemerkt haben. Anlässlich der Einweihung wurde über der Eingangstür eine Inschrift angebracht, die sinngemäß Folgendes beinhaltete:
„Die gottesfürchtige, begnadete Kaiserin Maria Theresia, Mutter des Vaterlandes, ließ diese Kirche Christus, dem Erlöser – die Siedlung aber ihrem eigenen, unsterblichen Namen – weihen. Als Kaiserin ließ sie in diesem öden, unbesiedelten Gebiet Häuser errichten. Dieser Tag soll durch ihre Anwesenheit und die ihrer erhabenen Kinder und durch die Weihe des Gotteshauses für die Nachwelt unser glückseliges Wohlergehen bezeugen. 22. Oktober 1768.“
Die Kirche ist dem „Heiligen Kreuz“ geweiht, das Patroziniumsfest somit der Tag der „Kreuzerhöhung“, also jährlich am 14. September. Am darauf folgenden Sonntag begeht man das Kirchweihfest, „Pfarrkirta“ genannt. Im Andenken an die Gründerin feiert man seit 1850 am 15. Oktober, dem Namenstag der Kaiserin, ein zweites Kirchweihfest mit dem „Reserlkirta“.
Neben der Kirche wurde der Pfarrhof errichtet und die „Landesfürstliche Patronatspfarre“ mit 30 Joch Ackergrundbesitz ausgestattet. Neben den zu erwartenden Pachteinnahmen und einem anfänglichen Zuschuss sollte ein Teil des Reinertrages des Gemeindegasthauses die Erhaltung der Kirche und des Pfarrers ermöglichen. Dazu kamen noch die Einnahmen aus der Zungenberg’schen Stiftung. Franz Freiherr von Zungenberg hatte 1721 testamentarisch festgelegt, dass dort, wo sein Vater, der türkische Vizepascha Mehmed Czonka Beg, einst zum christlichen Glauben bekehrt wurde, eine Kirche und Unterkunft für Pfarrer und Angehörige des Jesuitenordens zu errichten sei. Die Kirche wurde allerdings nicht hier, sondern in Wiener Neustadt gebaut.
Kaiser Leopold II. verfügte 1791, dass die Zinsen der Reste der Zungenberg’schen Stiftung – ursprünglich 65.000 Gulden – auch Theresienfeld zugutekommen. Damit sollten Pfarrer, Kaplan, Mesner und der Chorleiter („Regenschori“ = regens chori) unterstützt werden.
Auflistung der Pfarrer von Theresienfeld
Sommer 1767 – November 1767
Hr. Montfort
Dezember 1767 – August 1772
Josef Anton Weißehorn
Oktober 1772 – Jänner 1781
Ignaz Stenzl
Oktober 1783 – Oktober 1807
Gottfried Habermann
Februar 1808 – März 1822
Maternus Blesl
Jänner 1823 – Juni 1830
Johann Friedrich Starkbaum
November 1830 – Dezember 1845
Karl Gößmann
April 1846 – Mai 1873
Josef Leopold Widmayer
November 1873 – Februar 1886
Franz Seraphinus Patzelt
Juli 1886 – Juni 1895
Friedrich Peusch
Dezember 1895 – Februar 1903
Jakob Bauer
September 1903 – Juni 1914
Johann Evangelist Wolf
August 1914 – April 1917
Franz Nowak
September 1917 – Mai 1935
Gottlieb Gebetsberger
September 1935 – April 1949
Albin Formanns
Dezember 1949 – März 1952
Franz Josef Weiland
April 1952 – Mai 1987
Anton Irschik
Mai 1987 – August 2001
Franz Reilginger, GR
September 2001 – August 2002
Viliam Döme (Provisor)
September 2002 – August 2006
Viktor Kurmanowytsch (Moderator)
September 2006 – August 2007
Viliam Döme (Provisor)
September 2007 – August 2009
Johann Pointner (Moderator)
September 2009 – lfd.
Juray Bohynik, Moderator
lfd.
Marek Ferenc, Pfarrvikar
Baugeschichte
1768
Fertigstellung und Einweihung
1775
Hochaltar und Kanzel aus der Wiener Neustädter
St. Leopoldskirche überführt
1837
Errichtung des Oratoriums über der Sakristei
1842
Renovierung von Dach und Kirchenverputz
1868
Versetzung der Kanzel an die heutige Stelle und weitere Renovierungen zur Hundertjahrfeier
1895
Restaurierung der Deckenmalerei sowie Renovierung von Altar und Kanzel
1899
Neues Turmkreuz nach Zerstörung des alten durch einen Ballon
1926
Einleitung des elektrischen Lichtes und Renovierung des Hochaltars
1968–1970
Instandsetzungsarbeiten nach den Schäden des Zweiten Weltkrieges
1971
Vergoldung von Hochaltar und Kanzel aus Spendenmitteln
1974
Einweihung des neuen Turmhelmes
1976
Fertigstellung des Volksaltars
1977
Neudeckung des Kirchendaches
1985
Generalsanierung der Orgel
1988
Inbetriebnahme der neuen Bankheizung
1990
Erneuerung der Turmuhr
1993
Umbau der Kapelle und Versetzung des Taufbrunnens
1996
Neugestaltung des Kirchenvorplatzes und der Parkplätze
2000–2002
Umfangreiche Renovierung und Restaurierung der gesamten Kirche und Nebenräume
2002
Renovierung der 14 Kreuzwegbilder
2011
Fassadenrenovierung von Kirche und Pfarrhof
2017
Festveranstaltung „250 Jahre Grundsteinlegung“ und Weihe der neuen Verkehrsflächen
2018
250-Jahr-Feier, neuer Volksaltar und neuer Ambo geweiht
Kirchenglocken
Im Turm befanden sich ursprünglich zwei Glocken aus der Zeit der Kaiserin Maria Theresia, eine dritte aus 1854 und 1907 eine vierte als Spende des ortsansässigen Grafen Leopold Thurn-Valsassina.
1917 mussten im Ersten Weltkrieg jedoch drei Glocken abgegeben werden. Aus ihnen wurden Kanonen gegossen. Sie wurden 1923 und 1930 unter großem finanziellem Aufwand ersetzt, erlitten aber im Zweiten Weltkrieg das gleiche Schicksal. Wieder blieb nur die kleinste und älteste Glocke aus der Gründungszeit, aus dem Jahr 1761, erhalten.
1956 wurden unter Pfarrer Geistl. Rat Anton Irschik noch einmal zwei größere Glocken angeschafft, die bis heute das seit 1961 elektrisch gesteuerte Geläute bilden. Durch den Beschluss des Pfarrkirchenrates wird beim Ableben eines Gemeindebürgers oder einer Gemeindebürgerin auf Wunsch der Angehörigen das „Ziagnglöckerl“ geläutet.
Beschreibung der Kirche
Die römisch-katholische Pfarrkirche Theresienfeld „Zur Kreuzerhöhung“ ist eine spätbarocke Saalkirche mit Westturm und Zwiebelhaube. Der Haupteingang befindet sich unter dem Turm an der Westseite. Die Kirche hat mehrere Zubauten: den Vorraum zum Haupteingang, rechts danach die Taufkapelle mit dem Heiligen Grab, links den Choraufgang, rechts vom Altarraum die Sakristei und über dieser das Oratorium mit dem Kanzelzugang.
Die Kirche ist 28 m lang, 13 m breit, 19 m hoch; die Turmhöhe beträgt 28 m.
Grundriss / Schema der Kirche
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Hochaltar
Altar bis 2018
Der Hochaltar und die Kanzel wurden vermutlich auf Ersuchen des Bischofs der Diözese Wiener Neustadt Ferdinand Graf von Hallweil 1775 aus der Wiener Neustädter Vorstadtkirche nach Auflassung des Jesuitenordens hierher gebracht.
Der Hochaltar von 1772 ist ein flaches Retabel mit einem großen Kruzifix. Dieses Holzkreuz mit dem geschnitzten Corpus Christi stammt von einem Tiroler Künstler, der es auf Wunsch der eingewanderten Bauern 1768 anfertigte. Es gilt als das wertvollste Kunstwerk der Kirche. Am Altarabschluss oben befindet sich ein prächtig gestaltetes „Auge-Gottes“.
Am freistehenden Altartisch befindet sich ein reich gestalteter barocker Tabernakel-Aufsatz mit zwei Reliquienbehältern, außen von zwei Engeln flankiert. Das Flachrelief an der Tabernakeltür stellt Christus mit den Emmausjüngern dar. Vor dem barocken Altartisch steht seit 2018 der neue Volksaltar aus Mannersdorfer Stein und geschichtetem Glas.
Links neben dem Hochaltar an der Nordwand hängt ein größeres Gemälde aus dem 19. Jahrhundert mit der heiligen Familie, eine legendenhafte Darstellung mit dem Jesuskind bei der Zimmermannsarbeit.
Deckenmalereien
Die Decken der Kirche sind reich und hochwertig im Stile des ausgehenden 18. bzw. beginnenden 19. Jahrhunderts bemalt.
Wie bei der jüngsten Renovierung zur Jahrtausendwende festgestellt wurde, dürften die Wand- und Deckenmalereien nach 1837 aufgebracht worden sein, da die Öffnungen zum damals errichteten Oratorium in das Gesamtkonzept miteinbezogen wurden.
Überhaupt besticht der nahtlose Übergang zwischen Gewölbedecken und Wandflächen, was eine beachtenswerte Ensemblewirkung erzeugt. Es handelt sich um plastische Malerei, bei der die Ornamente und Figuren durch geschickt aufgetragene Licht- und Schattenpartien scheinbar reliefartig hervortreten. Im Zentralraum zeigt die Decke ornamentale Motive, während im Deckenoval des Altarraumes eine besonders ansprechende Figurengruppe in zarter farblicher Ausstattung zu sehen ist.
Die Malerei wurde nicht „A fresco“, also auf frischen Putz, sondern auf den bereits Jahre ausgetrockneten Kalkmörtelputz aufgetragen. Die zahlreichen Restaurierungsversuche, etwa 1842, 1895 und 1960, zeugen von dieser Problematik. In den Jahren 2000/01 wurde die Restaurierung durch die Fa. Ferdinand Fladischer durchgeführt.
Seitenaltäre
Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar. Anstelle eines kleineren Muttergottesbildes bekam die Kirche dieses Gemälde der „Unbefleckten Empfängnis Mariä“ des k.u.k. Postbeamten Johann Zimmermann.
Der rechte Seitenaltar ist der heiligen Theresia von Avila gewidmet. Theresia war Namenspatronin der Kaiserin und wird heute als Kirchenlehrerin verehrt. Zumindest seit 1848 befindet sich dieses Gemälde in unserer Kirche.
Beichtstühle
Hinten im Hauptschiff befinden sich zwei kostbare barocke Beichtstühle. 1911 erhielt sie Pfarrer Johann Wolf von der Stadtpfarre St. Peter in Wien geschenkt. Beachtenswert sind die kunstvoll geschwungene barocke Formgebung und die schönen Intarsien. Angeblich soll auch die Weihnachtskrippe ein Geschenk aus dem Bekanntenkreis dieses Pfarrers sein.
Glasgemälde
Das Fenster im Presbyterium aus dem Jahr 1896 zeigt den hl. Josef und das Jesuskind. Die beiden Glasfenster im Kirchenschiff aus dem Jahr 1906 zeigen rechts die „Unbefleckte Empfängnis“ und links die „Heilige Familie“. Beide Fenster wurden mehrfach schwer beschädigt und erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder restauriert.
Kreuzwegbilder
An beiden Wänden des Kirchenschiffes befinden sich 14 bemerkenswerte Ölfarbdrucke aus dem Jahr 1863. Die Kosten wurden damals durch eine Kirchensammlung gedeckt. 2002 wurden sie gründlich renoviert und wieder in der Kirche aufgehängt.
Orgel und Empore
Über dem Haupteingang befindet sich die Empore mit der Orgel. Die Orgel wurde ursprünglich als Positiv ohne Pedal gebaut. Erst 1840 wurden vom Wiener Orgelbauer Josef Loiß ein Pedal mit zwei Registern und ein Blasebalg zum Treten hinzugefügt. Bis dahin musste die Orgel von mindestens vier Personen bedient werden. Die heutige mechanische Orgel mit acht Registern wurde in den letzten Kriegstagen schwer beschädigt und später mehrfach restauriert und generalsaniert.
Weitere Kircheneinrichtungen
Im Schiff vorne links befindet sich nun das seit 1993 dorthin versetzte, aus Sandstein gefertigte Taufbecken mit der Darstellung der Taufe Jesu. Beim Haupteingang stehen zwei schöne bemalte Holzstatuen: links der Heilige Judas Thaddäus und rechts der Heilige Antonius mit dem Jesuskind.
Kirchenmusik, hörbar aber nicht sichtbar
In den Chroniken findet sich wenig über die Pflege der Kirchenmusik. Ursprünglich waren es vorwiegend die Schullehrer, die sich der Kirchenmusik als Chorleiter oder Organist annahmen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges prägt besonders die Familie Lauermann Kirchenchor und Orgelspiel in Theresienfeld.
OStR. Prof. Mag. Johann Lauermann übernahm 1948 mit 18 Jahren die Leitung des Kirchenchores und prägte das Pfarrleben in Theresienfeld über Jahrzehnte hinweg. Mit seiner Frau Magdalena als Organistin und seinen Brüdern Josef und Michael wurde der von ihm geleitete Kirchenchor weit über die Gemeindegrenzen bekannt.
Mitarbeiter im Hintergrund
Bis zum Jahr 1869 war die Schule eine „Pfarrschule“ und stand unter geistlicher Schulaufsicht. Die Schullehrer mussten bis dahin auch den Mesnerdienst leisten. Besonders erwähnt werden der Mesner August Auer, der 62 Jahre in Theresienfeld tätig war, sowie „Frau Maria“ Mayerhuber, die als Pfarrhaushälterin über Jahrzehnte hinweg eine wichtige Kontaktperson zur Pfarre war.